Therapieformen

Grundlagen der Therapie
Um die Behandlung mit Hilfe einer Insulintherapie sinnvoll durchführen zu können, ist folgendes wichtig:

  • Zur Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen benötigt der Körper kontinuierlich (rund um die Uhr) Insulin.
  • Zu den Mahlzeiten wird zusätzlich Insulin benötigt – abhängig von der Menge der Kohlenhydrate, die man zu sich nimmt.

Insulinfreisetzung beim Nichtdiabetiker
Insulintherapie für Menschen mit Typ-2-Diabetes

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes wird häufig eine der folgenden Therapien als Einstieg in die Insulintherapie gewählt. Dabei wird das Insulin mit einem Insulinpen in das Fettgewebe injiziert (gespritzt):

  • Die Basal unterstützte orale Therapie (BOT) mit einem lang wirkenden Insulin und Tabletten.
  • Die supplementäre Insulintherapie (SIT) mit einem kurz wirkenden Insulin und Tabletten.
  • Die konventionelle Therapie (CT) mit einer Insulinmischung aus kurz und lang wirkendem Insulin.


Insulintherapie für Menschen mit Typ-1-Diabetes

Die zwei häufigsten Formen der Insulintherapie für Menschen mit Typ-1-Diabetes sind:

Die intensivierte-konventionelle Therapie (ICT)
Bei dieser Therapie wird das Insulin mindestens viermal am Tag mit einem Insulinpen gespritzt (injiziert). Dabei kommen zwei Sorten von Insulin zum Einsatz:

  • Ein- bis zweimal am Tag wird ein lang wirksames Insulin („Basalinsulin“ oder „Verzögerungsinsulin“) gespritzt, um den Grundbedarf abzudecken.
  • Zu jeder Mahlzeit und zur Korrektur von zu hohen Blutzuckerwerten ein kurz wirkendes Insulin („Bolusinsulin“) gespritzt.

Ein Insulinpen sieht aus wie ein großer Kugelschreiber und beinhaltet eine Insulinampulle und eine Dosiervorrichtung. Für das Basal- und Bolusinsulin werden zwei verschiedene Insulinpens verwendet.

Insulinfreisetzung bei ICT
Die Injektion erfolgt unter die Haut in das Unterhautfettgewebe (subcutan) am Bauch, Oberschenkel oder Gesäß. Die verwendeten Pen-Nadeln sind hauchdünn, so dass der Einstich kaum zu spüren ist. Die Pen-Nadel wird nach jeder Injektion gewechselt.

Die intensivierte-konventionelle Insulintherapie (ICT) ist für die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes die Standardtherapie. Sie hat allerdings ihre Grenzen:

  • Die Blutzuckerwerte können morgens beim Aufwachen zu hoch sein („Dawn-Phänomen“ oder „Morgendämmerungsphänomen“). Ursache dafür ist der in der Nacht wechselnde Insulinbedarf, der mit dem lang wirksamen Verzögerungsinsulin nicht bedarfsgerecht abgedeckt werden kann.
  • Das Verzögerungsinsulin lässt wenig Flexibilität. Wenn sich der Insulinbedarf kurzfristig ändert, zum Beispiel bei körperlicher Aktivität/Sport oder Stress, kann man darauf nicht kurzfristig reagieren.
  • Ein unregelmäßiger Tagesablauf und Schichtarbeit lassen sich mit Verzögerungsinsulin nur schwer vereinbaren, da der Insulingrundbedarf ständig schwankt.
  • Bei Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren lassen sich die Blutzuckerwerte aufgrund der hormonellen Schwankungen mit der ICT häufig nicht befriedigend einstellen.

Hier ist die Insulinpumpe eine gute Alternative.

 

Die Insulinpumpen-Therapie (CSII – Kontinuierliche subkutane Insulininfusion)
Bei dieser Therapie versorgt eine Insulinpumpe den Körper kontinuierlich (rund um die Uhr) mit dem Insulin-Grundbedarf. Zu den Mahlzeiten wird zusätzlich das benötigte Insulin per Knopfdruck abgegeben.

Wichtiger Unterschied zur Therapie mit dem Insulinpen: Es wird nur kurz wirkendes Insulin verwendet, mit dem sowohl der Grundbedarf als auch das Mahlzeiteninsulin abgedeckt werden. Eine Insulinpumpe wird am Körper getragen. Für eine gute Insulinpumpen-Therapie muss der Insulinbedarf in der Insulinpumpe individuell eingestellt und die Therapie regelmäßig durch eine Blutzuckermessung kontrolliert werden.

Insulinfreisetzung bei der Insulinpumpen-Therapie
Zwei Systeme von Insulinpumpen stehen zur Wahl:

  • Die konventionelle Insulinpumpe mit Schlauch:

Hier wird die Insulinpumpe zum Beispiel am Gürtel getragen. Über ein Infusionsset mit Schlauch, dessen Kanüle im Fettgewebe unter der Haut sitzt, gelangt das Insulin in den Körper.

  • Die Insulin Patch-Pumpe („Klebepumpe“):

Diese Insulinpumpe kommt ohne Schlauch aus. Sie besteht aus zwei Komponenten:

  1. einem „Pod“, der auf die Haut geklebt wird und die eigentliche Insulinpumpe darstellt (mit Insulinampulle, Kanüle und Technik zur Insulinabgabe).
  2. einem „Personal Diabetes Manager“ (PDM), über den die Funktionen der Insulin Patch-Pumpe gesteuert werden.


Gegenüber der intensivierten-konventionellen Insulintherapie (ICT) hat die Insulinpumpen-Therapie unter anderem folgende Vorteile:

  • Die häufigen Injektionen mit dem Insulinpen entfallen, weil die Kanüle der Insulinpumpe zwei bis drei Tage in der Haut verbleibt.
  • Die Insulinpumpe ermöglicht eine nahezu physiologische Insulinversorgung (Insulinversorgung wie bei einem Nicht-Diabetiker).
  • Durch die an den individuellen Bedarf angepasste Insulinversorgung können hohe Blutzuckerwerte am Morgen (Dawn-Phänomen) oder häufige Unterzuckerungen (Hypoglykämien) verringert werden.
  • Da nur kurzwirksames Insulin verwendet wird, lässt sie ein hohes Maß an Flexibilität zu, zum Beispiel bei körperlicher Aktivität/Sport, bei den Mahlzeiten und beim Ausschlafen.
  • Ein unregelmäßiger Tagesablauf und Schichtarbeit lassen sich mit einer Insulinpumpen-Therapie besser vereinbaren, da der Insulinbedarf durch die ausschließliche Verwendung kurzwirksamen Insulins individuell angepasst werden kann.

(Quelle: http:// www.mylife-diabetescare.at, Oktober 2013)